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Steinbock flieg!

Die Geschichte vom Steinbock der fliegen konnte.


StartUp Kurs 5.11.1999

Grüezi mitenand


1. Mein Name ist Paul Imboden, von Beruf bin ich Forscher, im Sternzeichen Steinbock. Ich möchte Euch anstelle eines Businessplanes eine Geschichte erzählen.


Eine Geschichte, die nur dank Euch allen möglich war. Eine Geschichte ganz speziell von mir, ganz speziell für Euch. Ich möchte Euch allen dafür danken, dass Ihr dazu beigetragen habt, dass diese Geschichte wahr werden wird.


Vera

2. Es war einmal ein Steinbock, der wanderte in den Wäldern umher, weil er vom Weg abgekommen war.

Wie wunderbar ist doch die Natur, dachte er für sich, die Pflanzen, die Tiere, die Pilze und erst die winzigen Einzeller und Bakterien.

Wie er so planlos daherlief, sah er hoch oben einen Vogel und dachte sich: Ich wünsche ich könnte fliegen, wie dieser Vogel, hoch über den Bergen.

3. Aber das ist doch nichts für einen Steinbock. Doch, warum sollte er eigentlich nicht hoch in die Lüfte hinauf fliegen können, frei wie ein Vogel? Frei war er ja, aber jetzt hatte er vor allem Hunger und er zitterte vor Kälte. Er fühlte sich einsam und von aller Welt verlassen und wusste nicht wo er war und wo er hingehörte.

Und jetzt begann es noch zu regnen.

4. So irrte er traurig im Wald umher bis er an eine kleine verlassene Hirtenhütte kam. Dort liess er sich nieder und ruhte sich aus im Schutz der gemütlichen Hütte. Als am Abend der Hirt mit den Geissen kam staunte er sehr als einen Steinbock im Stroh liegen sah.
5. Er hatte Erbarmen mit dem müden Steinbock und gab ihm ein Plätzchen in der engen, dunklen Hütte und die Geissen waren damit einverstanden. So ging es dem Steinbock bald wieder besser und er blieb beim Hirten und den Geissen.
6. Aber manchmal wenn er nachts zum kleinen Fensterlein hinausblickte, und den Mond hinter den Bergen aufgehen sah, hatte er Sehnsucht nach der Freiheit und wünschte sich wieder Zuhause zu sein in seinen Bergen. Frei wie ein Vogel.
7. Die Ziegen aber warnten ihn: "Der Wolf wird dich holen, noch ist keine Ziege zurückgekehrt, die von uns wegging. Sicher hat sie alle der böse Wolf gefressen".

Doch eines Nachts schlich sich der Steinbock heimlich aus dem Stall und machte sich auf den Weg. Bergwärts!

Rebecca

8. Der Weg war steil und unwegsam und er konnte ihn manchmal kaum erkennen. Aber er war zufrieden und wanderte stetig, bis die Morgenröte die ganze Bergwelt in ein zauberhaftes Licht tauchte.

In weiter Ferne erblickte er einen Adler der seine Kreise zog.

Rebecca

9. Wie er sich so ausruhte, tauchten am Wegrand drei Murmeltiere aus ihren Höhlen hervor. Er war froh um diese Gesellschaft, denn er hatte schon lange nicht mehr mit Bergtieren gesprochen.

"Hallo Murmelis, kann mir jemand von euch den Weg zum Adler zeigen?" Der Murmelihäupling schaute in lange über seine Brille hinweg an und sagte: "Wir kennen den Weg, auch wenn wir ihn nie gehen". Und - nachdem der Steinbock einige Formulare ausgefüllt hatte gaben sie Ihm noch etwas Proviant mit und schickten Ihn auf den Weg: "Aufwärts, immer aufwärts und dann noch 60 Tage. Du wirst nicht allein sein!"

10. Und tatsächlich, nach drei Tagen kam er auf ein Alp, auf der viele Tiere an einem Bergsee versammelt waren. Sie alle waren von überall her zusammengekommen um das Fliegen zu lernen. Das war eine bunte Gesellschaft an der Steinbock seine helle Freude hatte. Jetzt konnte er endlich die Richtigen fragen.

Und er fragte sie alle:

11. Der Hase sass ganz ruhig im Gras, aber der Steinbock spürte, dass er innerlich auf glühenden Kohlen sass: "Um das Geheimnis des Fliegens zu verstehen, Steinbock, musst du übers Feuer laufen!".

Aber schon rief das Eichhörnchen dazwischen: "Das lässt sich relativ einfach auf drei A4 Seiten zusammenfassen, ich schicks Dir per E-mail!". Und der Fuchs: "Also dass muss man ganz klar sehen, das ist ein rein technisches Problem".

Der Biber klatschte darauf elegant mit dem Schwanz aufs Wasser: "Da verzieh ich mich mal lieber, ich hab noch viel zu tun". Der Hirsch empfahl ihm a) vor allem gute Ordnung zu haben und b) vorher seriös abzuklären ob das überhaupt möglich ist.

"Nehmts doch nicht so ernst!" rief der Goldfisch aus dem See, "kommt lieber noch auf ein Schwätzchen zu mir rein".

12. Der Steinbock war etwas verwirrt aber er fragte auch die anderen Tiere: Das Wiesel wusste wie: "Bildung, Weiterbildung, so lernt man fliegen". Der Bär brummte: "Fliegen? theoretisch ja, aber ich erreiche ich mein Ziel schneller zu Fuss" und trollte sich.

Das Reh schaute in aus seinen wunderschönen traurigen Augen an und sagte sanft: "Ich fliege nur mit Hanf". Hinter einem Busch versteckt sass die scheue Waldkatze. Sie hatte alles aufmerksam beobachtet und nach langem Ueberlegen sagte sie: "Fliegen hat vor allem mit Aesthetik zu tun".

Laut rief das Schneehuhn: "Freude braucht es um zu fliegen - und vor allem viel trinken!" und flatterte davon. Der Hund schlug vor, alle zusammenzuspannen und loszujagen! - dann würde man schon abheben. Der Igel entschuldigte sich zuerst und meinte darauf, es würde wohl bald zu regnen beginnen und er werde vorerst mal vorläufig aussteigen - und rollte sich zusammen.

Rebecca

13. Der Steinbock war beeindruckt von der Vielfalt der Antworten und beschloss, für die Nacht bei dieser Gruppe zu bleiben. Als es dämmerte rauschte ein grosser Uhu daher. Er setzte sich mitten unter die versammelten Tiere, plusterte sich kurz auf, kniff verschlafen drei mal die Augen auf und zu und begann:

"Tiere!", sagte er, "Tiere, ihr müsst in die Zukunft schauen wenn ihr fliegen wollt, nur in der Zukunft ist eure Gegenwart! Alles klar? Und überhaupt, bevor ihr fliegt, müsst Ihr herausfinden für wen Ihr fliegt, was für Tiere das sind, was Ihr ihnen nützt, nur wenn ihr hintenrum beginnt kommt ihr vorne raus. In 60 Tagen müsst Ihrs wissen", wobei er seinen Kopf einmal ganz im Kreise drehte.

14. Alle waren sehr beeindruckt und der Steinbock begann gleich seinen Nutzen zu suchen. "Hört, Ihr Tiere, ich will Euch eine Geschichte erzählen, von der Pracht der Bäume, dem Geheimnis der Pilze und noch viel mehr... "

Aber die Tiere waren schon eingeschlafen und so machte sich der Steinbock traurig auf, seinen Nutzen woanders zu suchen.

15. Er war nicht lange unterwegs, als er hinter sich plötzlich eine kräftige Stimme hörte: "Wohin des Weges, Herr Kollega?" Erschrocken drehte sich der Steinbock um und blickte in die gestrengen Augen von Dr. Luchs.

Der Steinbock stammelte nur: "Oh, Herr Doktor! was kann ich für Sie tun?" Der Luchs zuckte leise mit dem Backenbart und sagte sanft: "Das kommt ganz drauf an, vielleicht können wir ins Geschäft kommen, ich habe viel zu bieten, aber ich habe wenig Zeit!"

Dem Steinbock wurde es etwas unwohl dabei und er entschuldigte sich höflich für die Störung.

16. Nach durchwanderter Nacht erreichte der Steinbock im Morgengrauen einen Berggrat und zum ersten Mal sah er den schneebedeckten Gipfel. "Das ist mein Ziel", dachte er, "endlich habe ich es vor Augen".

Sein Herz schlug höher als er kurz darauf ein Rudel Steinböcke sah. "Endlich Zuhause! He Freunde! Ich kann Euch Geschichten erzählen", rief er Ihnen begeistert entgegen und "ich lerne fliegen!"

Die Steinböcke freuten sich zwar über den unerwarteten Besuch, aber Geschichten konnten sie auch selber finden und was sie brauchten konnte er ihnen nicht geben: genügend Platz, genügend Futter und zuverlässige Kameraden. Aber fliegen? Wozu?

17. Der Steinbock blieb als Gast beim Rudel bis er eines Tages den Adler wieder kreisen sah. Da erinnerte er sich an die Worte des Uhu. Mit Schrecken stellte er fest dass er nur noch wenige Tage Zeit hatte und seinen Nutzen noch nicht kannte. Nur ein Wunsch beseelte ihn noch:

Fliegen!

Rebecca

18. Und so machte er sich auf den Weg und hatte den Berggipfel fast erreicht. als ihm eine Gämse zurief: "Steinbock! Ich weiss was Du willst, Ich kann Dir helfen.

Wenn Du fliegen willst, musst Du zuerst die Augen öffnen und in die Weite schauen und Du wirst sehen, die Welt ist noch viel grösser als Du glaubst. Dein wahres Ziel liegt noch weiter weg als Du denkst, aber Du wirst es finden. Fliegen aber musst Du alleine!".

Seraina
19. Auf dem Gipfel angekommen erblickte er am Horizont, halb im Nebel verborgen einen Lichtschimmer , er spürte wie ihm Flügel wuchsen und

er hob ab.

Rebecca

 

20. Wohin er flog ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

 

Aber eines ist sicher; wenn er nicht gelandet ist, so fliegt er noch heute.

























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